Wie sicher ist der Fertalys Milch-Trächtigkeitstest?

Wie bei anderen labordiagnostischen Untersuchungen, wird die Zuverlässigkeit des Fertalys Milch-Trächtigkeitstest mit den zwei Kennzahlen Sensitivität und Spezifität angegeben. Diese Angaben werden vom Testhersteller IDEXX in Validierungsstudien ermittelt, indem der Milch-Trächtigkeitstest mit Referenz-methoden verglichen wird. In der vorliegenden Validierungsstudie wurde der Milch-Trächtigkeitstest mit konventionellen Trächtigkeitsuntersuchungen (Rektal-untersuchungen und Ultraschall) verglichen1. Wenn man die Resultate des Fertalys Milch-Trächtigkeitstest und die der konventionellen Trächtigkeitsunter-suchungen zusammenträgt, entsteht die folgende Matrix:

1 Katherine Velek, John Lawrence, Rick Linscott, Ed Martel, Hannah Pearse, Christoph Egli: IDEXX Milk Pregnancy Test—a New Tool for Pregnancy Diagnosis in Cattle. IDEXX 2013.

2 Katherine Velek, John Lawrence, Rick Linscott, Ed Martel, Hannah Pearse, Christoph Egli: IDEXX Milk Pregnancy Test—a New Tool for Pregnancy Diagnosis in Cattle. IDEXX 2013.

Was bedeutet die Sensitivität?

Die Sensitivität gibt an, wieviel % der trächtigen Tiere mit dem Test korrekt als trächtig erkannt werden. Sie wird folgendermassen berechnet:



Konkret bedeutet dies folgendes:

  • Mit Fertalys werden 98.8% der trächtigen Tiere als trächtig erkannt.
  • Leider werden aber 1.2% der trächtigen Tiere den Befund "Nicht trächtig" erhalten.


Diese Zahl ist die sogenannte "Falsch-Negativ-Rate":

 

Was bedeutet die Spezifität?

Die Spezifität gibt an, wieviel % der nicht-trächtigen Tiere mit dem Test korrekt als nicht-trächtig erkannt werden. Sie wird folgendermassen berechnet:



Konkret bedeutet dies folgendes:

  • Mit Fertalys werden 97.4% der nicht-trächtigen Tiere als nicht-trächtig erkannt.
  • Leider werden aber 2.6% der nicht-trächtigen Tiere den Befund "Trächtig" erhalten.

Diese Zahl ist die sogenannte "Falsch-Positiv-Rate":

Fazit

Der Fertalys Milch-Trächtigkeitstest erkennt:

  • trächtige Kühe mit einer Sicherheit von 98.8% (entspricht der Sensitivität) und

  • nicht-trächtige Kühe mit einer Sicherheit von 97.4% (entspricht der Spezifität).

    Seine Zuverlässigkeit ist somit vergleichbar mit der von konventionellen Methoden der Trächtigkeits-untersuchung wie rektale Palpation und Ultraschall.

Was bedeutet der Befund "Nachtesten"?

Der Befund "Nachtesten" tritt in ungefähr 4% der Untersuchungen auf und bedeutet, dass sich die Konzentration der nachgewiesenen Eiweissbausteine in einem Zwischenbereich zwischen "Trächtig" und "Nicht trächtig" befindet.

Dieser Befund kann z.B. auftreten, wenn nach einem embryonalen Fruchttod die Konzentration an PAGs am Zurückgehen ist, jedoch noch nicht auf das Niveau eines nicht-trächtigen Tieres gesunken ist.
Da der Test in diesem Fall keinen eindeutigen Schluss auf den Trächtigkeitsstatus des Tieres zulässt, muss das Tier für einen eindeutigen Befund nochmals untersucht werden. In frühen Stadien (<60 Tage nach Besamung) sollte das Tier nach frühestens 10 Tagen nochmals getestet werden, in späteren Stadien sind Abklärungen durch den Tierarzt erforderlich.

Fazit

Der Fertalys Milch-Trächtigkeitstest erkennt:
•    trächtige Kühe mit einer Sicherheit von 98.8% (entspricht der Sensitivität) und

•    nicht-trächtige Kühe mit einer Sicherheit von 97.4% (entspricht der Spezifität).

Seine Zuverlässigkeit ist somit vergleichbar mit der von konventionellen Methoden der Trächtigkeitsuntersuchung wie Rektaluntersuchung und Ultraschall.

Der Fertalys Milch-Trächtigkeitstest liefert in durchschnittlich 4% der Fälle den Befund "Nachtesten", bei welchem das Tier für einen eindeutigen Befund nochmals untersucht werden muss.